Rotwein, schön gekühlt

„Der ist doch gar nicht kalt!“, sagt unser griechischer Freund empört, als wir ihm ein Glas selbstgemachten Rotwein aus der Nachbarschaft anbieten. Wir sind verwirrt, warum denn kalt? Das ist doch kein Weißwein, sondern Rotwein. Den genießt man doch bei Zimmertemperatur.
Zugegeben, in Griechenland ist die Zimmertemperatur sicherlich um einiges höher als bei uns in Mitteleuropa – zumindest, wenn die Klimaanlage nicht auf volle Pulle läuft. Aber von kaltem Rotwein haben wir noch nie gehört. Dass die Griechen ihre Getränke am liebsten eiskalt trinken, schon fast gefroren, wissen wir, aber dass Rotwein keine Ausnahme bildet, ist uns neu.
Auch Eiswürfel können es schließlich bei unserem Freund nicht mehr richten – er schüttet den Wein mit einem angeekelten Gesichtsausdruck mit Schwung neben sich ins Beet.
So lagern wir den Rotwein nun immer im Kühlschrank und legen ihn sogar – bevor Besuch kommt – ins Gefrierfach. Sicher ist sicher. Dabei haben wir extra einen Weinstecher – eine ganz besondere Feierabendproduktion von Schott – mit größter Mühe heil nach Griechenland gebracht, um ein bisschen Eindruck zu schinden. Nun wird er aber wohl keinen Anklang mehr finden, zumindest nicht bei unseren griechischen Freunden.

Übrigens bezieht sich das Trinken von Rotwein bei Zimmertemperatur auf die gängige Temperatur von vor über 100 Jahren und nicht auf unsere überheizten Hütten von heute. Eisschränke waren das damals aber trotzdem nicht...



