Der Mettigel

Jeden Urlaub überlegen wir, was wir unseren griechischen Freunden zu unseren gemeinsamen Abendessen typisch Deutsches anbieten können. Jeden Urlaub verzweifeln wir. Jeden Urlaub kommen wir zum Schluss, dass wir die deutsche Küche einfach nicht mögen und uns auch nicht vorstellen können, dass überhaupt jemand deutsches Essen mag.
Aus lauter Verzweiflung machen wir ziemlich oft Kartoffelsalat, der zum einen einfach, zum anderen nicht ganz so schlecht ist. Eine typische Leibspeise des gemeinen Deutschen ist Gehacktes, auch bekannt als Hackepeter. Das fand ich schon als Kind einfach nur eklig und frage mich bis heute, wie man sich zerkleinertes Muskelfleisch, das aussieht wie ein Berg glänzender, wimmelnder roter Würmer, genüsslich einverleiben kann. Auch Bezeichnungen wie Haschee oder Faschiertes machen diese Unappetitlichkeit nicht ansehnlicher. Aber wir sind als Gastgeber ja auch in der Pflicht und so wollten wir unseren griechischen Gästen diese Spezialität keinesfalls vorenthalten.
So machte sich ein Freund, der seinen Urlaub mit uns verbrachte, frisch ans Werk. Sein veganer Mettigel wurde ein wahres Meisterstück. Ja, richtig gehört, ein veganer Mettigel... Keine Ahnung, aus was der eigentlich bestand, aber ich glaube mich zu erinnern, dass die Hauptzutaten Reiswaffeln und Tomatenpaste waren. So stand er denn auf dem Tisch, der kleine Igel, und streckte seine Salzstangen-Borsten in die Luft. Viel zu schade zum Essen, dachte ich noch, als unser Freund das arme Tier seines Hinterleibes beraubte, um ihn als typisch deutsches Essen unter die Leute zu bringen. Ich weiß bis heute nicht, ob das Lob der Gäste ernst gemeint oder nur reine Höflichkeit war...



